
Am 29.08. ging es für mich los von Frankfurt am Main nach San José, 14 Stunden Flug später und ich war da. Leider hab ich an dieser Stelle einen Fehler gemacht. Ich hatte mir vorab einen Shuttle gebucht… macht es nicht. Nehmt lieber einen Inlandsflug! Statt 5 Stunden Auto und Fähre verbringt ihr nur eine halbe Stunde in der Luft. Vorwarnung es handelt sich um eine Propellermaschine die Platz bietet für genau 12 Personen. 14 Stunden Flug und ein komplett anderer Zeitrhythmus lässt euch recht schnell einschlafen, außerdem seht ihr vom Flugzeug aus sehr viel mehr und könnt alles von oben genießen.
Als ich auf der Ranch ankam wurde ich super freundlich von Sandra und Caro (meine Kollegin/Mitbewohnerin) begrüßt. Jetzt hieß es ankommen, endlich etwas essen und Koffer auspacken. Wir waren direkt auf der Ranch in einem sehr einfachen und kleinen Häuslein aus Holz untergebracht. Gerade genug Platz für zwei Personen. Aber man gewöhnt sich dran, vertraut mir! Durch die hohen Temperaturen gibt es dort fast keine komplett geschlossenen Häuser. So auch unseres nicht, der einzige Raum mit vier Wänden war unser Bad! In den nächsten Tagen hieß es zuschauen, mit anpacken und vor allem lernen und offen sein für Neues! Generell sollte man dort nicht mit zu hohen Erwartungen anreisen. Eher Erwartungen runter schrauben und sich überraschen lassen. Das habe ich auch größtenteils in meiner Zeit dort probiert und wurde mehr als einmal sehr positiv überrascht. Ich lernte die ersten Reitschüler mit ihren Eltern kennen und was soll ich sagen, ich wurde sehr herzlich von allen aufgenommen.
Unser Arbeitstag begann früh, angefangen wurde meist zwischen 7 und 7:30 Uhr. Füttern war die erste Tagesaufgabe. Da fast alle Pferde 24/7 draußen stehen, wurde Kraft und Heu drinnen wie draußen gefüttert. Danach wurden die wenigen Boxen gemistet und meist auch schon das erste Pferd fertig gemacht. Oft waren entweder Caro oder ich mit einer Ansprechpartnerin oben auf dem Reitplatz um u.a. Sprünge ab-, auf-, oder umzubauen. Die jeweils Andere hat dann das zweite Pferd fertig gemacht oder anfallende Arbeiten erledigt. Generell haben wir überall mit angepackt. Von Zäunen flicken, bis Pferde medikamentös versorgen war wirklich alles dabei. Vor Schmutz und etwas härterer Arbeit darf man definitiv keine Scheu haben. Um 11 Uhr war Mittagspause, je nachdem wann die ersten Reitschüler nachmittags kamen ging es in den meisten Fällen um 15:15 Uhr für uns wieder auf die Ranch. Um 15:30 Uhr kamen dann die ersten Reitschüler. Dabei hatte jede von uns ihre eigenen Reitschüler, wobei wir bei den Ansprechpartnern immer als Assistenten mit am Platz waren. Unterrichtet wurde auf Englisch gehalten. Keine Sorge selbst wenn ihr davor nur einzelne Pferdevokabel auf Englisch kennen solltet kriegt ihr das hin. Traut euch einfach und schon klappt es fast wie von alleine, die Reitschüler fragen gegebenenfalls auch nach. Zum Abend hin wurde nochmal alles gefüttert und um 18 Uhr war Feierabend dazu noch stockdunkel. Abends waren wir meist so geschafft da wurde nur noch gekocht, geduscht und ab in die Hängematte.
Einen Tag die Woche hatten wir frei, wobei es einem selbst zu steht ob man frei macht oder nicht. Sonntags war sowieso nur morgens und abends füttern angesagt. Außer es stand eine Tour an. Viel Sightseeing kann man leider in der Gegend nicht machen, da die Ranch recht abgelegen liegt, dafür mitten im Grünen. Wir sind oft mit dem Bus gefahren, aber auch getrampt. An dieser Stelle ist zu erwähnen das trampen nicht die sicherste Methode ist, wir aber wirklich nie Probleme hatten. Das aller wichtigste ist nur, ihr müsst euch sicher fühlen, habt ihr kein gutes Gefühl steigt ihr nicht ein bzw. auf!!! Transportmöglichkeiten gibt es genug, von Motorrad bis hin zum LKW war bei uns alles dabei. Alle Fahrer waren nett und hätte ich ein tick mehr Spanisch gekonnt wäre es bestimmt auch sehr interessant geworden. Aber man muss nicht fließend Spanisch sprechen, Englisch reicht für die touristischen Orte meist völlig aus und sonst mit Handyübersetzer oder mit Hand und Fuß.



Das ist auch eine Sache die ich als allererstes in Costa Rica lernen musste, die Gelassenheit aller in fast jeder Alltagssituation. Jeder lebt das „Pura Vida“, wenn du das nicht kennst, lachst du im ersten Moment drüber bis du anfängst sie zu verstehen, darüber nachdenkst und es danach einfach nicht mehr missen möchtest. Es hat nichts mit Faulheit zu tun, aber den Tag mal nicht voll durchzuplanen sondern mal abzuwarten was auf einen zu kommt, ist fantastisch und zu 100% nicht selbstverständlich. Das nächste was ich dort gelernt habe, auf deine eigenen Entscheidungen zu vertrauen und nicht alles zu hinterfragen, ich bin einfach selbstbewusster geworden. Ich könnte hier nur hundert Dinge aufschreiben die ich dort gelernt habe, aber dann wird das hier eher ein Buch als ein Bericht^^. Eins möchte ich doch noch loswerden wenn ihr offen und keine Scheu vor etwas komplett ungewohntem, Spaß an Kreativität, der Arbeit mit Pferden und Kindern habt, aber auch mit anpacken können falls nötig. Euch Ameisen und Geckos noch lange nicht in die Flucht schlagen, dann seid ihr beim Reitpraktikum genau richtig.

Für mich war es eine einzigartige Erfahrung und ich bereue keinen einzigen Tag den ich dort verbracht habe. Auch dank Caro die in der Zeit zu einer richtigen Freundin für mich wurde. Ich glaube, nein ich weiß, hätten wir uns nicht so gut miteinander verstanden, wären das lange 3 Monate geworden. Ich werde weder unsere Sticheleien im Stall vergessen noch unsere gemeinsamen Ausritte und Abende bei Reis und Bohnen mit der Tagesschau, geschweige denn das Happy Lama^^. Danke für diese 3 Monate!
Und ja ich würde es wieder tun, dann aber mit Rucksack um eine Rundreise noch dran zuhängen. Das ist das Einzige was ich vielleicht bereue, nicht noch etwas gereist zu sein. Aber so ist die Vorfreude auf den nächsten Urlaub gleich viel größerer.
Pura Vida
Lara
